Neuenkirchen – St. Broladre | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Grußbrücke, Dezember 2025

Neuenkirchen – St. Broladre

Zum Weihnachtsfest und bevorstehenden Jahreswechsel grüßen die Neuenkir-chener Einwohner ihre Freunde in St. Broladre und wünschen ihnen zum Jah- resschluß besinnliche Tage, Gesundheit, Glück und viel Erfolg im neuen Jahr 2026.

Das Jahr 2025 war geprägt von zwei, teils sehr emotionalen Reisen der Neuen-kirchener zu ihren Freunden nach St. Broladre. Die erste Reise von Montag, 05. Mai – Sonntag, 11. Mai stand ganz im Zeichen des Endes des Zweiten Welt-kriegs und der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 80 Jahren. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen europäischen Ländern werden diese his-torischen Ereignisse mit Gedenkveranstaltungen, Bildungsprojekten und kultu-rellen Programmen gefeiert, um die Erinnerungen daran wach zu halten. Auf Einladung der Gemeinde St. Broladre nahm eine deutsche Delegation mit 31 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Otterndorf sowie 13 Erwachsenen an den Feierlichkeiten am 08. Mai 2025 in St. Broladre teil. Alle Gäste wurden privat in Familien untergebracht.

Die Verantwortlichen der bretonischen Gemeinde und des Partnerschaftskomi-tees hatten für die jugendlichen Besucher aus Niedersachsen ein umfangreiches kulturelles Programm vorbereitet. So besuchten sie am Mittwoch das Museum „Mémorial de Caen“. Das Besucherzentrum ist eines der wichtigsten Sehens-würdigkeiten, die sich mit der Schlacht um die Normandie und der Geschichte des 20. Jahrhunderts befassen. Ziel des „Mémorial de Caen“ ist die kontinu-ierliche Aufklärung, um durch Ausstellungen und Aktionen auf die Versöhnung abzuzielen. Grundgedanke ist also der Geist der Versöhnung. Gut zwei Stunden besichtigten die Schülerinnen und Schüler sowie die mitgereisten Erwachsenen die geschickt beleuchteten Räumlichkeiten und sahen zum Abschluß einen sehr interessanten, aber auch berührenden Film über die Ereignisse am D-Day, dem Landungstag der Alliierten an den Stränden der Normandie, dem nächsten Ziel der Besuchergruppe aus Land Hadeln.

Nach knapp einer Stunde Busfahrt erreichte die Reisegruppe bei Saint-Laurent-sur-Mer den Strand von Omaha Beach, an dem die amerikanischen Truppen unter schweren Verlusten an Mensch und Material am 06. Juni 1944 fran-zösischen Boden betraten. Man hielt inne, betrachtete den weiten Strand und gedachte den Menschen, die hier vor 80 Jahren um ihr Leben kämpften. Einen Kampf, den viele Tausend nicht überlebten. Am Strand steht das monumentale Denkmal „Les Braves Omaha Beach Mémorial“ und erinnert an die Hoffnung, an die Freiheit und an die Brüderlichkeit der Menschen. Wir betraten für eine kurze Wanderung über 2 km den Strand, und jeder war einen Moment mit seinen Gedanken allein.

Der bereitstehende Bus brachte die Reisegruppe zum nächsten Ziel. Der deut-sche Soldatenfriedhof „La Cambe“ ist der größte von insgesamt sechs in der Normandie. Hier ruhen mehr als 21.000 junge deutsche Menschen, fast noch Teenager, die kaum 20 Jahre alt geworden sind. Die Inschrift vor einem sechs Meter hohen Tumulus endet mit den Worten: „Gott hat das letzte Wort.“ Das Partnerschaftskomitee St. Broladre hatte ein in deutschen Farben gehaltenes Gesteck vorbereitet, das Bürgermeisterin Dagmar Diers am Gedenkstein nieder-legte.

Der 80ste Jahrestag des Friedens in Europa wurde am 08. Mai in St. Broladre mit einer großen Zeremonie gefeiert. Vom Rathaus führte ein langer Umzug mit einer bretonischen Musikkapelle zu einem Kriegerdenkmal vor der Kirche. Die Ansprachen wurden von 8 deutschen und 8 bretonischen Schülerinnen und Schüler eröffnet, die jeweils Zitate berühmter Persönlichkeiten zum Thema „Frieden“ sprachen. Anschließend hielten die beiden Bürgermeister aus St. Broladre und Neuenkirchen im stetigen Wechsel eine Rede zum Jahrestag und im Anschluß wurde vor der Kirche ein „Friedens(Apfel-)baum gepflanzt. Bevor Bürgermeister Gobichon die Hauptrede zum Jahrestag hielt, legten Schüler-innen und Schüler zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges Gestecke am Kriegerdenkmal nieder. Das abschließende Singen der „Marseillaise“ beendete die offizielle Gedenkfeier zum Frieden in Europa. Die Rückschau auf das Kriegsende am 08. Mai 1945 war mehr als ein Blick in die Vergangenheit, sie war und ist zugleich eine Mahnung für die Gegenwart und ein Appell an kommende Generationen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen blieb den deutschen Gästen noch etwas Zeit für private Ausflüge mit ihren Gastgebern in die nähere Umgebung, wobei der Besuch des Mont-Saint-Michel ganz oben auf der Wunschliste stand. Der folgenden Freitag schloß mit der Besichtigung des Gezeitenkraftwerkes „Barra-ge de la Rance“ und einem Besuch der alten Korsarenstadt Saint Malo die er-

eignisreichen Besuchstage in der Bretagne ab.

Die zweite Reise der Neuenkirchener in 2025 fand turnusmäßig im Rahmen der

Gemeindepartnerschaft Anfang Juni statt, und alle Beteiligten freuten sich wie-

der auf ein unbeschwertes Pfingstwochenende im Kreise der bretonischen Freunde.

Das Besuchsprogramm startete am Ankunftstag mit einer Vernissage der regio-nalen Künstlerin Fabienne Arias-Petit. Die Künstlerin selbst erläuterte ihre un-gewöhnliche Maltechnik mit aus Wein hergestellten Farben. Die Ausstellung zeigte 36 Bilder, die mit literarischen Texten von Baudelaire, Apollinaire, Dior, Karl Lagerfeld und vielen anderen kombiniert waren. „Es liegt an jedem Be-sucher“, so meinte Fabienne, „sich beim Betrachten und Lesen dieser Bilder seine eigene Geschichte auszudenken.“ Das Neuenkirchener Partnerschafts-komitee bekam von der Künstlerin persönlich ein Gemälde geschenkt. Das Motiv ist die allen bekannte Kapelle St. Anne auf dem Deich bei Cherrueix. Sie ist ein bemerkenswerter historischer und kultureller Ort, an dem regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden.

Der Besuch der Nachbarstadt Dol de Bretagne stand im zentralen Mittelpunkt des nächsten Tages. Am Samstag ist Markttag in Dol, und die Stadt ist voller Leben und Treiben, in das wir voller Neugier eintauchten und uns inspirieren ließen, einerseits vom vielseitigen Angebot der rund 100 Stände und anderer-seits von den vielen schönen alten Fachwerkhäusern. Der berühmte Markt ent-lang der 500 Meter langen Hauptverkehrsader Grande Rue des Stuart, Rue Le-jamptel und Rue des Carmes ist ein Ort des Austauschs und der Begegnung und spielt für die Menschen hier eine unersetzliche soziale und wirtschaftliche Rol-le.

Nach dem Mittagsimbiß widmeten wir der berühmten gotischen Kathedrale „Saint Samson“ und ihrer Umgebung unsere ganze Aufmerksamkeit. Steht man vor dem beeindruckenden Bauwerk, so stellt sich unweigerlich die Frage: „Wa-rum ist einer der Türme nicht fertiggestellt?“ Dieser Turm gibt Rätsel auf, ein Konstruktionsfehler, ein geheimnisvoller Geist oder gar der Teufel? Es ranken viele spannende Legenden um diesen Turm. Der wahrscheinlichste Grund ist aber wohl fehlendes Geld. Dabei wurde die Kathedrale gerade für mehrere Mil-

lionen Euro restauriert.

Mit dem Parcours „Dol la Mystérieuse“ wird der Besuch der Kathedrale und der umliegenden kopfsteingepflasterten Straßen zu einem spannenden und lehr-reichen Abenteuer, welches Groß und Klein gleichermaßen begeistert. Sodann setzte die Stadtführerin den Rundgang in Richtung Rue de Ceinte fort und erzählte uns unterwegs aufregende Geschichten über die Kathedrale, den alten Wohnhäusern, den Straßen und Wirtshäusern. Der Stadtrundgang und der Be-such der prachtvollen Kathedrale „Saint Samson“ fand mit einem beein-druckenden Orgelkonzert sein Ende.

Der Sonntag, 08. Juni 2025, stand wie immer ganz im Zeichen des Familien-lebens, der bretonischen Gelassenheit und bei den Neulingen, des näheren Kennenlernens. Einige blieben ganz einfach zu Hause, empfingen einige Freunde oder Nachbarn zum Aperitif und unterhielten sich blendend. Andere besuchten auswärtige Familienmitglieder oder unternahmen Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung.

Am frühen Pfingstmontag fanden sich die bretonischen Gastgeber mit ihren Neuenkirchener Gästen beim Boulodrom „Stade Maurice Fantou“ zum mit Spannung erwarteten Palet-Championat ein. Während die eine Gruppe das Tur-nier austrug, schaute sich die zweite Gruppe die Boulebahnen genauer an, auf denen einheimische Könner bereits in Aktion waren. Unter Anleitung von eini-gen bretonischen Freunden konnten sich die Neuenkirchener im Boulepiel ver-suchen und hatten sichtlichen Spaß daran. Die dritte Gruppe konnte sich für keine Teilnahme an den Spielen begeistern und beließ es beim Zuschauen und kamen so auf ihre Kosten. Im Paletfinale spielten Bürgermeister Jean-François Gobichon mit Barbara Uelzen gegen Keven Juette mit Renate Venske. Nach spannendem Kampf entschieden Jean-François und Barbara die Partie knapp für sich.

Wie vor zwei Jahren fand auch unser diesjähriges Pfingsttreffen mit einem ge-meinsamen Abschiedsessen im Restaurant „Le Point G“ seinen Abschluß. Ne-ben der Siegerehrung des Paletturniers wurden auch wieder die zwei großen Flaschen mit Granatapfellikör respektive Ricard ausgetauscht. Ein letzter Höhe-punkt war das Verlesen des Leserbriefes der Schülerin Hanna tom Suden in französischer Sprache über ihre Eindrücke von der Delegationsreise im Mai, die wie berichtet unter dem Zeichen „80 Jahre Frieden in Europa“ stand.

24. Dezember 2025

Uwe Warrings

Partnerschaftskomitee Neuenkirchen